Herrnhuter Losungen

Samstag, 25. Mai 2019
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Die Stadt als Diakonin

Rückblick auf das Treffen vom 10. November 2018 in der Bullingerkirche, Zürich-Hard

Quelle: http://reformiert.info/artikel/news/die-stadt-als-diakonin

Diakonie / 50 Vertreter und Vertreterinnen aus der kirchlichen Sozialarbeit tauschten sich am 10. November 2018 in Zürich über ihre Arbeit aus. An der Tagung wurde klar: Gerade im urbanen Umfeld ist die Vernetzung und Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wie
dem Staat und nicht kirchlichen Initiativen zentral.
«Diakonie ist Verkündigung des Evangeliums durch die Tat», sagte Bernhard Egg, Kirchenrat der reformierten Zürcher Landeskirche mit dem Ressort Diakonie und Soziales in seiner Begrüssung. Er wolle sich nicht auf das Jenseits vertrösten lassen, sondern freue sich, wenn gemeinsam ein Stück
vom Reich Gottes schon auf Erden geschaffen werden, so Egg. Dabei seien Austausch und Zusammenarbeit mit anderen Akteuren wichtig: «Man muss nicht alles selbst erfinden und machen.»


Teilhabe ermöglichen

Dinah Hess, Pfarrerin und Leiterin des Zentrums für Migrationskirche, begab sich in ihrem Referat über Diakonie in der Stadt auf die Spuren der frühen Christen. Durch die Missionsreisen von Paulus und den anderen Aposteln seien die Städte zu Zentren der neuen christlichen Lebensweise geworden. Soziale Ungleichheiten und strenge Hierarchien sollten überwunden werden.
«Das Arbeiten hin zu Gleichheit und Teilhabe ist bis heute Kern der Diakonie in der Stadt», so Hess. In ihrer Arbeit mit Migrationskirchen begegnet sie Menschen, die bei der Arbeitssuche, auf dem Wohnungsmarkt, in der Bildung, in politischen und kirchlichen Ämtern, in der Gesundheitsversorgung von Teilhabe oft ausgeschlossen sind. Umso wichtiger sei die soziale Funktion der Migrationskirchen. «Sie bieten den Menschen Gemeinschaft, Partizipation und ermöglichen gegenseitige Unterstützung».

Einblick in Projekte

In acht Workshops wurden ganz unterschiedliche Projekte und Formen der Zusammenarbeit vorgestellt. Vom breiten Angebot des Zürcher Vereins Solinetz, in dem sich hunderte Freiwillige für Flüchtlinge, Migranten und Sans Papiers einsetzen, bis hin zum Engagement für Flüchtlinge in Rüschlikon. Dort hat die traditionsreiche Kommunität Nidelbad in Zusammenarbeit mit den Kirchen, der Caritas und der politischen Gemeinde Deutschkurse, einen Kaffeetreff und eine Flickstube, die Migrantinnen Beschäftigung bietet, auf die Beine gestellt.
Auch die Basler und die Zürcher Stadtmission berichteten über Projekte. «Basel gygt» ermöglicht Kindern aus sozial schwachen Familien Geigenunterricht. Im Café Yucca in Zürich können sich Menschen in schwierigen Lebenslagen günstig verpflegen, erhalten Beratung und Unterstützung.

Kirche als Bauherrin

Gastgeberin der Tagung war das reformierte Stadtkloster, das von einer im Pfarrhaus der Zürcher Bullingerkirche lebenden Wohngemeinschaft und zugewandten Mitgliedern getragen wird. Auch dort ist ein soziales Projekt entstanden: An den Winterwochenenden kann man sich tagsüber in der «Bullinger-Stube» aufwärmen, etwas trinken, einen Computer benutzen, Wäsche waschen und duschen.
Eine ganz andere Art von Zusammenarbeit zu diakonischen Zwecken stellte Christoph Zingg, Leiter der Sozialwerke Pfarrer Sieber SWS, vor. In Zürich-Affoltern entsteht ein «Sieber-Huus». Gebaut wird es vom reformierten Stadtverband, die SWS ziehen als Hauptmieterin ein. Im grossen Neubau neben der reformierten Kirche Glaubten werden ab Herbst 2021 das Spital «Sune-Egge» und die Wohneinrichtung «Brothuuse» untergebracht.

Hinaus in die Welt

Theorie zur Praxis lieferte Christoph Sigrist, Grossmünsterpfarrer und Dozent für Diakoniewissenschaften an der Universität Bern, in seinem Workshop über urbane Diakonie. «Helfen im westeuropäischen deutschsprachigen Kontext ist Wohlfahrtspluralismus», so Sigrist. Dabei wirkten vier Akteure: Staat, Markt, Familie und Nachbarschaft. In der Nachbarschaft, im Quartier sei die Diakonie dank Kirchgemeinden und Pfarreien besonders stark. «Wir haben die besten Räume an den besten Orten. Und kaum jemand kann so schnell so viele Freiwillige mobilisieren wie die Kirchen», so Sigrist.
Helfendes Handeln sei nicht exklusiv christlich, betonte Sigrist weiter. «Diakonie muss denn auch aus der Kirche hinaus in die Welt gehen und gemeinsam mit der Regierung, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft und den Betroffenen nach den besten Lösungen suchen».
Zum Schluss bedankte sich Stadtrat Raphael Golta bei den Anwesenden für ihr Engagement. Der Sozialminister ermutigte sie, nicht nur in Lücken zu springen, sondern auch entsprechende politische Forderungen zu stellen.


Christa Amstutz